Ratgeber · Grundfahraufgaben

Welche Grundfahraufgaben kommen in der Prüfung der Klasse B dran, wie werden sie bewertet und wie übst du sie richtig?

Einparken vor Publikum, Wenden in einer engen Straße, eine Vollbremsung auf Ansage – die Grundfahraufgaben sind der Teil der praktischen Prüfung, der sich am meisten nach „Vorführung” anfühlt. Dabei sind sie der planbarste Prüfungsteil überhaupt: feste Aufgaben, klare Bewertungsregeln und eine eingebaute zweite Chance. Hier ist der komplette Überblick für die Klasse B.

Stand: Oktober 2026

Was Grundfahraufgaben sind – und die wichtigste Regel vorweg

Die Grundfahraufgaben prüfen, ob du das Fahrzeug selbst beherrschst – Rangieren, Bremsen, präzises Fahren bei niedrigem Tempo. In der praktischen Prüfung der Klasse B fährst du drei Aufgaben: eine aus der Rückwärtsgruppe (rückwärts nach rechts um die Ecke oder rückwärts längs einparken) und zwei aus den übrigen drei Aufgaben (quer oder schräg einparken, Umkehren, Gefahrbremsung). Welche es werden, entscheidet der Prüfer. Die Gefahrbremsung muss er in mindestens einer von drei Prüfungen abnehmen – sie kommt also regelmäßig dran, aber nicht immer. Und die Regel, die kaum jemand kennt und die mehr Angst nimmt als jeder Tipp: Jede Grundfahraufgabe darf einmal wiederholt werden. Ein missglückter erster Einparkversuch ist ein Zwischenstand – kein Urteil.

3Grundfahraufgaben fährst du in der Prüfung der Klasse B.
1Wiederholung ist für jede Grundfahraufgabe erlaubt.
mindestens 30 km/hsind das Ausgangstempo für die Gefahrbremsung.
Kein Zeitlimitgilt beim Einparken.

Die fünf Grundfahraufgaben auf einen Blick

Aufgabe In deiner Prüfung
Rückwärts um die Ecke nach rechts Eine der beiden Rückwärtsaufgaben kommt immer dran.
Rückwärts längs einparken Eine der beiden Rückwärtsaufgaben kommt immer dran.
Quer oder schräg einparken Zwei der drei übrigen Aufgaben kommen dran.
Umkehren Zwei der drei übrigen Aufgaben kommen dran.
Gefahrbremsung Zwei der drei übrigen Aufgaben kommen dran. Jeder Prüfer muss die Gefahrbremsung in mindestens einer von drei Prüfungen abnehmen, in deiner kann sie also kommen, muss aber nicht.

Zusammen fährst du drei Grundfahraufgaben, welche es werden, entscheidet der Prüfer. Grundlage: Anlage 7 Nr. 2.1.4.2 der Fahrerlaubnis-Verordnung und die Prüfungsrichtlinie für die praktische Prüfung.

Rückwärts einparken (längs): die Königsdisziplin

Rückwärts in eine Parklücke am Fahrbahnrand – die Aufgabe mit dem größten Schrecken und der einfachsten Wahrheit: Sie ist reine Referenzpunkt-Technik. Dein Fahrlehrer bringt dir feste Anhaltspunkte bei (Spiegel, Scheibenkanten, Markierungen am Fahrzeug), an denen du Lenkeinschlag und Haltepunkte festmachst – dieselbe Choreografie bei jedem Versuch. Wichtig für die Bewertung: Schrittgeschwindigkeit ist erwünscht, es gibt kein Tempolimit nach unten und kein Zeitlimit; höchstens zwei Korrekturzüge sind erlaubt; und die halbe Miete ist die Verkehrsbeobachtung – wer technisch perfekt einparkt, aber weder Schulterblick noch Umfeld checkt, hat die Aufgabe nicht bestanden. Als Fehler zählen außerdem jedes Auffahren auf den Bordstein, mehr als 30 cm Abstand zum Bordstein und ein Auto, das am Ende nicht annähernd parallel steht.

Fahrschülerin blickt beim Rückwärts-Einparken über die Schulter nach hinten, daneben ihr Fahrlehrer
Rückwärts einparken ist Referenzpunkt-Technik: Bis zu zwei Korrekturzüge sind erlaubt, und die Verkehrsbeobachtung zählt mit.

Rückwärts um die Ecke nach rechts

Die zweite Aufgabe der Rückwärtsgruppe: Du fährst an einer Einmündung, Kreuzung oder Einfahrt rückwärts nach rechts um die Ecke und hältst parallel zum Bordstein an. Gefragt ist ein möglichst enger Bogen, ohne auf den Bordstein aufzufahren und ohne das Rechtsfahrgebot zu verletzen. Die Endstellung musst du rückwärts erreichen. Wie beim Einparken sind höchstens zwei Korrekturzüge erlaubt, und vor und während der Aufgabe zählt die Verkehrsbeobachtung.

Einparken quer: vorwärts oder rückwärts in die Box

Die Parkhaus-Aufgabe: in eine markierte Querlücke einparken – je nach Ansage vorwärts oder rückwärts. Rückwärts ist trotz gefühlter Schwierigkeit die technisch leichtere Variante (kleinerer Wendekreis, bessere Kontrolle). Bewertet wird wie beim Längsparken: Endstellung innerhalb der Markierung, kontrolliertes Tempo, durchgehende Rundumbeobachtung. Auch hier gilt: höchstens zwei Korrekturzüge.

Umkehren: das Wenden in drei Zügen

In einer schmalen Straße wenden, klassisch in drei Zügen (vor – zurück – vor). Der Irrtum, der hier die meisten Punkte kostet: Es geht nicht um die Anzahl der Züge – fünf saubere Züge mit Verkehrsbeobachtung sind besser als drei hektische ohne. Bewertet wird, ob du vor jedem Richtungswechsel den Verkehr in beide Richtungen checkst und das Fahrzeug jederzeit kontrolliert bewegst. Zeitdruck existiert nur im Kopf.

Die Gefahrbremsung: einmal richtig stark bremsen

Aus mindestens 30 km/h auf Anweisung deines Fahrlehrers so schnell und kräftig wie möglich zum Stillstand bremsen. Ein typischer Fehler ist hier – Überraschung – zu zögerliches Bremsen: Eine sanfte „Komfortbremsung” gilt als nicht gezeigt, denn die Aufgabe simuliert den Ernstfall. Also: voll aufs Bremspedal (beim Schaltwagen gleichzeitig Kupplung treten, damit der Motor nicht abstirbt), Lenkrad festhalten, Blick geradeaus. Moderne Fahrschulautos haben ABS – das Fahrzeug bleibt auch bei maximaler Bremsung lenkbar. Als Fehler zählen außerdem eine zu niedrige Ausgangsgeschwindigkeit, ein abgewürgter Motor und ein deutliches Abweichen von der Fahrlinie.

Fahrschüler bremst bei der Gefahrbremsung kräftig, neben ihm sitzt angeschnallt die Fahrlehrerin
Bei der Gefahrbremsung bremst du aus mindestens 30 km/h so kräftig wie möglich bis zum Stillstand.

Wann kommen die Grundfahraufgaben in der Prüfung dran?

Anders als viele denken, gibt es keinen festen „Grundfahraufgaben-Block” am Anfang: Der Prüfer baut die Aufgaben in die Prüfungsfahrt ein, wo es sich anbietet – das Einparken an einer geeigneten Lücke im Wohngebiet, die Gefahrbremsung auf einer ruhigen, übersichtlichen Straße, das Umkehren in einer passenden Seitenstraße. Angekündigt wird jede Aufgabe klar und rechtzeitig („Parken Sie hinter dem blauen Fahrzeug rückwärts ein”), und du darfst dir die Situation kurz ansehen, bevor du beginnst. Das Gute an dieser Einbettung: Es fühlt sich weniger nach Vorführung an als im Kopfkino – du fährst einfach, und zwischendurch kommt eine Rangieraufgabe.

Übrigens: Das gefürchtete Anfahren am Berg ist keine eigene Grundfahraufgabe – es wird im normalen Fahrbetrieb mitbewertet, wenn es sich ergibt. Handbremse benutzen ist dabei erlaubte Technik, ein kurzes, sicher abgefangenes Zurückrollen kein Durchfallgrund.

So übst du die Grundfahraufgaben richtig

  • Referenzpunkte statt Gefühl: Lass dir jeden Anhaltspunkt am Fahrschulauto zeigen und sprich die Abläufe laut mit – was du erklären kannst, kannst du reproduzieren.
  • Erst ruhig, dann real: Die Aufgaben werden zuerst in ruhiger Umgebung aufgebaut und wandern dann in echte Parklücken und Straßen – genau dort, wo auch geprüft wird.
  • Wiederholen bis zur Langeweile: Eine Grundfahraufgabe sitzt dann, wenn sie mehrfach hintereinander gelingt, ohne dass du nachdenken musst, OB sie gelingt – nur noch, wie sauber. Langeweile ist hier das Qualitätssiegel, das Prüfungsnervosität übersteht.
  • Verkehrsbeobachtung automatisieren: Schulterblick und Rundumcheck vor jedem Rangierzug – in der Übung übertrieben deutlich, damit es in der Prüfung selbstverständlich ist (und der Prüfer es sieht).
Fahrlehrer zeigt einer Fahrschülerin auf einem leeren Parkplatz einen Anhaltspunkt am Außenspiegel
Lass dir jeden Anhaltspunkt am Fahrschulauto zeigen: Referenzpunkte statt Gefühl.

Bewertungs-Checkliste: Darauf achtet der Prüfer bei jeder Aufgabe

Die Kriterien stehen im amtlichen Fahraufgabenkatalog und gelten jeweils nur für die Aufgabe, bei der sie hier stehen. Ein Korrekturzug ist jede Fahrbewegung entgegen der Fahrtrichtung der Aufgabe, zum Beispiel ein kurzes Vorziehen beim Rückwärtseinparken.

Rückwärts um die Ecke nach rechts

  • Verkehr vor und während der Aufgabe beobachten, auch den toten Winkel
  • in einem möglichst engen Bogen fahren und das Rechtsfahrgebot beachten
  • nicht auf den Bordstein auffahren
  • rückwärts und annähernd parallel zum Bordstein anhalten
  • höchstens zwei Korrekturzüge

Rückwärts längs einparken

  • Verkehr vor und während der Aufgabe beobachten, auch den toten Winkel
  • in eine etwa 8 m lange Lücke fahren oder innerhalb von etwa 8 m rückwärts an den Fahrbahnrand
  • nicht auf den Bordstein auffahren und annähernd parallel anhalten
  • höchstens 30 cm Abstand zum Bordstein
  • höchstens zwei Korrekturzüge

Quer oder schräg einparken

  • Verkehr vor und während der Aufgabe beobachten, auch den toten Winkel
  • vorwärts oder rückwärts so einparken, dass das Auto nicht über die markierte Fläche hinausragt
  • genug Seitenabstand zu den parkenden Autos lassen
  • höchstens zwei Korrekturzüge

Umkehren

  • Verkehr vor und während der Aufgabe beobachten, auch den toten Winkel
  • Stelle und Methode selbst wählen, zum Beispiel einen Parkplatz, eine Einmündung oder eine Einfahrt
  • nicht unzulässig vom Rechtsfahrgebot abweichen
  • keine Höchstzahl an Zügen vorgeschrieben

Gefahrbremsung

  • auf Anweisung des Fahrlehrers aus mindestens 30 km/h bremsen
  • die Bremse schlagartig treten und mit höchstmöglicher Verzögerung bis zum Stillstand bremsen
  • die Fahrlinie halten
  • den Motor nicht abwürgen
  • Vorher nach hinten schauen musst du nicht: Dass niemand gefährdet wird, stellt der Fahrlehrer sicher.

Gelingt eine Aufgabe nicht, darfst du sie einmal wiederholen. Nicht bestanden ist die Prüfung, wenn auch die Wiederholung nicht fehlerfrei gelingt, wenn du eine Person, ein Fahrzeug oder einen Gegenstand anfährst oder wenn du den Verkehr so ungenügend beobachtest, dass es zu einer Gefährdung kommt.

Grundlage: Fahraufgabenkatalog „Grundfahraufgaben Klasse B“ (Verkehrsblatt-Dokument S 3210, Version 01/21) und Prüfungsrichtlinie für die praktische Prüfung, Nr. 2.3.2 (Stand 01.01.2021).

Die häufigsten Fehler – und ihre Gegenmittel

  • Zu schnell rangieren: fast alle Einpark-Probleme entstehen durch Tempo. Gegenmittel: Kupplung im Schleifpunkt bzw. Kriechgang, notfalls anhalten und denken – Stillstand ist erlaubt.
  • Blick aufs Hindernis statt auf den Weg: Wer auf den Bordstein starrt, trifft ihn. Blick dorthin, wo das Auto hin soll.
  • Verkehrsbeobachtung vergessen: der eigentliche Bewertungskern – Technik ohne Umsicht ist eine misslungene Aufgabe, Umsicht mit Korrekturzug eine gelungene.
  • Nach einem Patzer aufgeben: Du hast eine Wiederholung pro Aufgabe frei – nutze sie ruhig und konzentriert, statt innerlich abzurechnen. Wie das Bewertungssystem insgesamt funktioniert, liest du im Ratgeber Fehler in der praktischen Prüfung.

Häufige Fragen zu den Grundfahraufgaben

Welche Aufgaben kommen in meiner Prüfung dran?

Das entscheidet der Prüfer am Prüfungstag – deshalb übt eine gute Ausbildung alle Varianten. Fest steht nur das Schema: eine Aufgabe aus der Rückwärtsgruppe (rückwärts um die Ecke oder rückwärts längs einparken) und zwei aus den übrigen drei (quer oder schräg einparken, Umkehren, Gefahrbremsung). Die Gefahrbremsung kommt regelmäßig dran, aber nicht in jeder Prüfung.

Darf ich Rückfahrkamera und Parkpiepser benutzen?

Die Assistenzsysteme des Prüfungsfahrzeugs sind grundsätzlich nutzbar – aber sie ersetzen die Rundumbeobachtung nicht: Der Prüfer will Schulterblick und Spiegelarbeit sehen, nicht nur den Blick auf den Bildschirm. Wie das im konkreten Prüfungsfahrzeug gehandhabt wird, besprichst du am besten mit deinem Fahrlehrer.

Wie oft darf ich eine Aufgabe wiederholen?

Jede Grundfahraufgabe darf einmal wiederholt werden. Gelingt sie auch im zweiten Versuch nicht fehlerfrei, ist die Prüfung nicht bestanden – ebenso, wenn du dabei eine Person, ein Fahrzeug oder einen Gegenstand anfährst.

Gibt es ein Zeitlimit beim Einparken?

Nein. Schrittgeschwindigkeit und ruhiges, kontrolliertes Rangieren sind ausdrücklich erwünscht – Hektik ist der Fehler, nicht Langsamkeit.

Fazit: Der planbarste Teil der ganzen Prüfung

Feste Aufgaben, klare Kriterien, eine freie Wiederholung – die Grundfahraufgaben sind kein Glücksspiel, sondern Handwerk. Wer sie mit Referenzpunkten lernt und bis zur Langeweile übt, nimmt der Prüfung ihren gefühlt schwersten Teil. Den Rest des Prüfungstags entzaubert der Ratgeber Praktische Prüfung: Tipps zum Bestehen.

Wo die Grundfahraufgaben im Gesamtablauf stehen, zeigt So läuft dein Führerschein ab. Alles zur Ausbildung Klasse B.